ARCHITEKTUR DER PRAGER BURG
Die Prager Burg: Eine Reise durch die Jahrhunderte der Architektur
Die Prager Burg ist mehr als nur ein historisches Wahrzeichen, sie ist ein Zeugnis jahrhundertealter architektonischer Brillanz. Als größte mittelalterliche Burganlage der Welt bietet sie eine außergewöhnliche Mischung aus verschiedenen Stilen. Die über 1.000 Jahre alte Burg spiegelt die architektonischen Veränderungen der verschiedenen historischen Epochen wider. Jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen und die Burg zu einem atemberaubenden Mosaik aus Design und Handwerkskunst geformt. Von den hohen Türmen der St.-Veits-Kathedrale bis zu den charmanten Häusern der Goldenen Gasse erzählt jeder Teil eine Geschichte von Macht, Kunstfertigkeit und Innovation.
Heute gehört die Prager Burg zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist die offizielle Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik. Sie ist eines der meistbesuchten Wahrzeichen des Landes und zieht Millionen von Touristen an.
Eine Mischung aus architektonischen Stilen
Die Fundamente der Burg gehen auf das 9. Jahrhundert zurück, und jede Herrscherdynastie trug zu ihrer Umgestaltung bei. Der Schlosskomplex weist Baustile aus verschiedenen Epochen auf. Dazu gehören Romanik, Gotik, Renaissance, Barock und Neugotik.
Der St.-Veits-Dom ist ein gotisches Meisterwerk mit späteren neugotischen Elementen. Der Alte Königspalast wurde im 12. Jahrhundert als romanisches Bauwerk errichtet. Später wurde er im Stil der Gotik und Renaissance erweitert. Sein berühmtester Raum, der Vladislav-Saal, weist spätgotische Gewölbe auf. Die St.-Georgs-Basilika ist hauptsächlich romanisch, mit späteren barocken Ergänzungen. Das Goldene Gässchen, das im späten 16. Jahrhundert erbaut wurde, spiegelt den manieristischen Stil wider, der Teil der Spätrenaissance war. Der Neue Königspalast und der Lobkowitz-Palast zeigen barocke und neoklassizistische Einflüsse. Wehrtürme wie der Pulverturm und der Mihulka-Turm weisen gotische und Renaissance-Entwürfe auf.
Romanische Architektur: St. Georgs-Basilika
Die St.-Georgs-Basilika, die um 920 von Fürst Vratislaus I. gegründet wurde, ist die älteste erhaltene Kirche der Prager Burg. Nach einem Brand im Jahr 1142 wurde sie im romanischen Stil wiederaufgebaut. Das Innere ist schlicht und doch prächtig, mit soliden Strukturen und Rundbögen. Das Hauptschiff beherbergt die Gräber von Mitgliedern der Přemysliden-Dynastie. Im 13. Jahrhundert wurden eine Kapelle für die Heilige Ludmila und ein Portikus hinzugefügt. Später, in der Zeit des Frühbarocks, erfuhr die Basilika bedeutende Veränderungen. Sie erhielt eine neue Fassade, und das Kloster wurde umgebaut. Im 18. Jahrhundert baute der Architekt F. M. Kaňka die barocke Kapelle des Heiligen Johannes von Nepomuk.
Unter Kaiser Joseph II. im späten 18. Jahrhundert wurden die St. Georgs-Basilika und ihr Kloster vom Militär genutzt. Dies verursachte schwere Schäden, die in späteren Jahren zu umfangreichen Reparaturen führten. Die Kirche wurde zwischen 1887 und 1908 von dem Architekten František Mach erneuert und erhielt dabei ihr romanisches Aussehen zurück.
Alter Königspalast: von der Romanik zur Gotik und Renaissance
Der Alte Königspalast spiegelt die architektonischen Veränderungen von der Romanik über die Gotik bis zur Renaissance wider. Im 12. Jahrhundert errichtete Fürst Soběslav einen steinernen romanischen Palast neben einer Festungsmauer. Reste dieses Bauwerks sind noch heute im Untergrund zu sehen. Unter König Karl IV. im 14. Jahrhundert wurde der Palast im gotischen Stil erweitert. Die gewölbten Innenräume wurden für Staatsfunktionen eingerichtet, und an der Nordseite wurden Arkaden hinzugefügt.
Zwischen 1493 und 1502 entwarf der Architekt Benedikt Rejt den Vladislav-Saal. Er wurde im spätgotischen Stil mit Elementen der Renaissance gestaltet. Dieser große Saal war mit 62 Metern Länge, 16 Metern Breite und 13 Metern Höhe der größte gewölbte Raum im mittelalterlichen Prag. Sein steinernes Gewölbe gilt als eine bedeutende technische Errungenschaft der damaligen Zeit. Der Ludwigsflügel wurde zwischen 1503 und 1509 hinzugefügt. Er führte architektonische Elemente der Renaissance in den Palastkomplex ein. Die Decken wurden in Form von gotischen Rippengewölben gestaltet. Er gilt als das älteste Renaissance-Wohngebäude in Böhmen.
St. Veitsdom: Ein Meisterwerk der Gotik
Die Prager Burg erfuhr im 14. und 15. Jahrhundert große Veränderungen. Der römische Kaiser Karl IV. legte den Grundstein für die St.-Veits-Kathedrale. Die Kirche ist im gotischen Stil mit hohen Türmen, detaillierten Steinmetzarbeiten und schönen Glasfenstern gestaltet. Der Bau begann 1344, wurde aber erst 1929 abgeschlossen. Die Kirche erhielt einige neugotische Elemente, behielt aber ihren alten Stil bei.
Das gotische Design der Kathedrale umfasst Spitzbögen, hohe Decken und detaillierte Steinarbeiten. Im Inneren sticht die St.-Wenzels-Kapelle mit ihren wertvollen Steinen und religiösen Malereien hervor. Der 96,5 Meter hohe Große Südturm bietet den Besuchern einen atemberaubenden Blick auf Prag. Die bunten Glasfenster, darunter Werke von Alfons Mucha, erfüllen den Raum mit farbigem Licht. Der Veitsdom beherbergt auch die tschechischen Kronjuwelen, die in einer gesicherten Kammer mit sieben Schlössern aufbewahrt werden. Diese Schätze, darunter die Wenzelskrone, werden nur selten ausgestellt, sind aber ein Symbol der tschechischen Geschichte und des Königtums. Mit seiner Mischung aus alter und neuerer Handwerkskunst ist der Veitsdom ein Symbol für Geschichte und Schönheit. Auch heute noch ist sie eine funktionierende Kirche und eine der Hauptattraktionen der Prager Burg.
Daliborka-Turm
Der Daliborka-Turm ist ein runder Steinturm, der im Jahr 1496 als Teil der Befestigungsanlagen der Prager Burg errichtet wurde. Er wurde im 15. Jahrhundert im spätgotischen Stil mit dicken Steinmauern, einer runden Form und kleinen Fenstern gebaut. Sein schmaler Eingang diente dazu, Gefangene drinnen und Eindringlinge draußen zu halten. Im Laufe der Zeit diente es als Gefängnis für Adlige, mit dunklen Kerkern und Eisengittern. Im Laufe der Zeit wurden einige Renaissance-Elemente hinzugefügt, aber der gotische Charakter blieb erhalten. Heute erinnert sie an die mittelalterliche Geschichte der Burg.
Die Ballspielhalle
Die Habsburger fügten dem Schloss die Eleganz der Renaissance hinzu, die im Ballspielsaal zu sehen ist. Sie führten Symmetrie und Arkadengänge ein. Der Ballspielsaal (Míčovna), der sich in den königlichen Gärten befindet, wurde zwischen 1567 und 1569 erbaut. Er wurde zunächst für Ballspiele genutzt. Seine Wände sind mit detaillierten Verzierungen versehen, die Symbole der Natur, der Tugenden und des Lernens darstellen. Im Laufe der Zeit wurde sie als Reitschule, Stallungen und Militärlager genutzt. Im 20. Jahrhundert wurde die Halle beschädigt, aber später restauriert. Heute wird sie für Kunstausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen genutzt.
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Königin Annes Sommerpalast
Zwischen 1538 und 1560 baute König Ferdinand I. den Sommerpalast für Königin Anne. Er ist eines der besten Beispiele für italienische Renaissance-Architektur außerhalb Italiens. Er ist auch als Königlicher Sommerpalast Belvedere bekannt und befindet sich im Königlichen Garten der Prager Burg. Der Palast besitzt im Erdgeschoss eine Arkade mit 36 Säulen, die mit mythologischen Schnitzereien verziert sind. Sein Kupferdach ähnelt einem umgedrehten Schiffskiel. Im Inneren befinden sich ein Tanzsaal, eine Galerie und Wohnräume. Vor dem Palast befindet sich der 1564 errichtete Singende Brunnen, der beim Fließen des Wassers musikalische Klänge erzeugt. Der Palast ist auch heute noch eine wichtige historische und kulturelle Stätte.
Golden Lane
Das Goldene Gässchen wurde um 1597 im Komplex der Prager Burg angelegt, nachdem neue nördliche Befestigungsanlagen hinzugefügt worden waren. Die kleinen Häuser entlang der Gasse wurden im manieristischen Stil gebaut, der sich in der Spätrenaissance entwickelte. Zunächst waren die Häuser für die Wachen von Kaiser Rudolf II. bestimmt, später wohnten dort Goldschmiede, was der Gasse ihren Namen gab. Ursprünglich standen die Häuser auf beiden Seiten der Straße, aber im 19. Jahrhundert wurde eine Seite entfernt. Im Laufe der Zeit lebten hier Handwerker und Arbeiter. Heute sind die erhaltenen Häuser kleine Museen, Souvenirläden und Ausstellungen, die zeigen, wie das Leben in der Vergangenheit aussah.
Lobkowitz-Palast
Das Lobkowitz-Palais ist ein Barockpalast mit verzierten Fassaden, eleganten Sälen und reichen Details. Es wurde im 16. Jahrhundert erbaut und im 17. Jahrhundert umgestaltet. Der Palast zeichnet sich durch eine ausgewogene Gestaltung, Stuckverzierungen und prächtige Räume aus. Heute beherbergt er die wertvollen Lobkowicz-Schätze. Die Sammlung umfasst Kunst, historische Gegenstände und Musikmanuskripte von Beethoven und Mozart.
Barocke und klassizistische Einflüsse auf der Prager Burg
Im 17. und 18. Jahrhundert, nach dem Dreißigjährigen Krieg, wurde die Prager Burg im Stil des Barocks umgestaltet. Vor allem im Spanischen Saal und im Neuen Königspalast wurden prächtige Fassaden, Verzierungen und Treppenhäuser hinzugefügt. Der in dieser Zeit errichtete Neue Königspalast ist eine Kombination aus Barock und Klassizismus. Heute beherbergt er das Präsidialamt und Regierungsbüros und ist Schauplatz offizieller Veranstaltungen. In seinem Zentrum befindet sich der Spanische Saal, der größte Zeremonienraum des Schlosses. Er wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts von Kaiser Rudolf II. erbaut und diente ursprünglich für Kunstsammlungen. Heute ist er Schauplatz von Staatsveranstaltungen, Konzerten und Versammlungen und spiegelt die Pracht der Habsburgerzeit wider.
Die Umgestaltung der Prager Burg
Die Prager Burg wurde in den letzten Jahren mehrfach umgebaut und erweitert. Nach Jahrhunderten wurde 1929 der Veitsdom fertiggestellt. Der slowenische Architekt Jože Plečnik wurde mit der Renovierung verschiedener Teile der Prager Burg beauftragt. Er gestaltete die Gärten, Höfe und Innenräume neu und führte moderne Elemente ein. Der Reitsaal der Burg wurde in den 1940er Jahren restauriert. Sie behielt ihre barocken Ursprünge bei, wobei einige moderne Elemente hinzugefügt wurden. Die Neue Orangerie, ein modernes Gewächshaus, das von der tschechischen Architektin Eva Jiřičná entworfen wurde, wurde 2001 dem königlichen Garten hinzugefügt. Diese Entwicklungen zeigen, dass sich die Prager Burg weiterentwickelt und modernes Design mit ihrer historischen Vergangenheit verbindet.
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